In jedem Gottesdienst unserer Kirche liegt ein Bibelwort zu Grunde. Was liegt näher, als sich einmal mehr mit der Bibel zu beschäftigen. Also besuchten wir das Bibelzentrum in Barth. Diakon Ullrich Kahle gab uns einen Einblick in die Vergangenheit. Das Gebäude war Hospitalkirche des St. Jürgenshospitals und wurde um 1380 erbaut. Später wurde es als Armenhaus und jetzt als Bibelzentrum und Gedenkstätte genutzt.
Wir hörten über die Geschichte der Stadt Barth, über dieses Hospiz und das Buch der Bücher. Es ist das meist übersetzte und gedruckte Buch der Welt. Ein wichtiger Aspekt im Alten wie im Neuen Testament war die Fürsorge von Alten, Kranken, Verletzten und Bedürftigen. Die Bibel berichtet von Ruth und Naomi, die Witwe zu Zarpat, Rahab u.a. Auch Aussätzige, Leprakranke oder Pestbefallene wurden durch Hospize versorgt. Dazu dienten Sammlungen von Geld, Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen. Später entwickelten sich daraus Sozial- und Rentenversicherungen und auch weitere Versicherungen.
Die Reformation, beginnend 1517 mit dem Anschlag der 95 Thesen Luthers, brachte viel Neues z.B. die Übersetzung des Neuen Testaments in die deutsche Sprache. Die Erfindung des moderne Buchdrucks mit Lettern senkte die Kosten der wertvollen Bücher und förderte die Verbreitung von Wissen und Bildung. Luther befürwortete die Einführung eines Schulwesens, da nur etwa 2% der Menschen lesen und schreiben konnten. Sein Ziel war die Erneuerung der Kirche nach dem Evangelium. Ein Christ erlangt durch Reue, Buße und die Gnade Gottes die Errettung. Die Bibel ist an sich ein großer Stapel Papier, aber der Heilige Geist macht durch das Wort alles lebendig. Johannes Bugenhagen, ein Wegbegleiter Luthers, der unter anderem mehrere Kirchenordnungen verfasste und die Bibel in die niederdeutsche (plattdeutsche) Sprache übersetzte, die damals ca. 50% der Menschen in Norddeutschland sprachen. Besonderen Wert legte er auf das Verständnis des Gottesdienstes und des Abendmahls. Die Lutherbibel prägt auch uns. In unserer Kirche verwenden wir die Fassung von 2017, da sich die Sprache und das Sprachverständnis im Laufe der Jahre geändert haben – das Wort Gottes nicht. So sind Worte wie Wehmutter (Hebamme), Scheffel (Hohlmaß) nicht mehr gebräuchlich, aber mit Worten, wie z.B. Paradies, das A und O, oder „ wie in Abrahams Schoß“, können wir auch heute noch etwas anfangen.
Die Barther Bibel von 1588 ist das Prunkstück des Bibelzentrums. Als Vorlage diente die niederdeutsche Bugenhagenbibel. Weiterhin konnten wir Einblicke in Schreib- und Drucktechniken nehmen. Im Garten sind rund 150 Pflanzen mit biblischem Bezug. Wein spielte eine besondere Rolle z.B. bei der Hochzeit zu Kana. Auch Feigen- und Olivenbaum, Johannesbeeren, Johanneskraut sowie manche Kräuter und Heilpflanzen waren anzuschauen. Diakon Kahle erfreute uns mit sehr beeindruckendem Wissen.
Den Abschluss fanden wir im gemeinsamen Mittagessen und Austausch über das Gesehene und Gehörte. Es war ein schönes Gemeinschaftserlebnis.
Neuapostolische Kirche